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Weingutbesuch: Rothes Gut Meißen

Der Weinführer „Falstaff“ hat Tim Strasser und sein Weingut „Rothes Gut Meissen“ zum „Newcomer des Jahres“ gekürt. Grund genug für einen Besuch, zumal der junge Betrieb schon bei der traditionellen Jungweinprobe im Frühjahr aufgefallen ist.

Ein Bilderbuch-Herbsttag, das historische Meißen zeigt sich von seiner schönsten Seite und in (fast) jedem Weinshop sind die Weine vom „Rothen Gut Meissen – Tim Strasser“ zu haben. Eine reife Marketing-Leistung, schließlich ist das Label erst seit 2010 auf dem Markt.

IMG_3431Das Weingut, ein historischer Bauernhof (1765, Sanierung läuft), liegt linkselbisch, die Anfahrt ist ab der Bundesstraße101 gut ausgeschildert. Winzer Tim Strasser ist nicht da, dafür Kellermeister Martin Biedermann, der gibt so locker wie sachkundig Auskunft. 11,2 Hektar sind mit Reben bestückt, alles links der Elbe, davon sind reichlich 9 Hektar im Ertrag. Richtige Newcomer seien die Strassers freilich nicht. Die Familie betreibt in Meißen und Umgebung seit Generationen Landwirtschaft und Weinbau. Tim Strasser, jetzt 28, wuchs also quasi mit dem Wein auf, lernte am Staatsweingut Schloß Wackerbarth wie auch sein künftiger Kellermeister den Winzerberuf. Es folgten eine weitere Ausbildung zum Techniker für Weinanbau und Önologie, ein Auslandsaufenthalt in Österreich und schließlich die Erfüllung des Traums vom eigenen Weingut: Seit 2010 gibt es seine eigenen Weine unter dem Namen „Rothes Gut Meissen“.

IMG_3426Die Weine. Jammerschade, aber typisch in Sachsen: Der Goldriesling, der sächsischste aller sächsischen Weine, ist ausverkauft. Dann aber: Der 2013er Müller-Thurgau schafft das Spagat zwischen knackig, frisch und dennoch gehaltvoll, ganz eigener Stil. Sehr spannend die 2012er Grauburgunder Spätlese, ein Viertel hat eine sechsmonatige Barrique-Kur hinter sich. Süße, Säure, Frucht und Holz drängeln im Gaumen um die Gunst, niemand gewinnt. Eine echte Persönlichkeit, Biedermanns Lieblingswein übrigens. Der 2013er Riesling mutet fast klassisch an, hat die nötige Säure, keine Einwände. Spaß macht auch die Traminer-Spätlese, halbtrocken, daher cremig, opulent, aber nicht anbiedernd.

Eine Spezialität des Betriebes sind die neuen, wenig bekannten Sorten, Hibernal (Kreuzung aus Seibel und Riesling) und Helios (Kreuzung aus Merzling und Müller-Thurgau) etwa, zwei pilzresistente Rebsorten.  Das sind natürlich spannende Geschichten. Der Hibernal (Spätlese) ist schwer einzuordnen, präsentiert sich mit Aromen tropischer Früchte, würzig, mild, vor allem mit ungewöhnlich langer Präsenz im Gaumen. Fast wie ein Bonbon. Anders, aber auch eigen, der 2013er Helios, ganz trocken, kräutrig, kein Amigo im ersten Schluck, eher ein Charakterkopf.

Kellerei und Verkostraum im Rothen Gut

Kellerei und Verkostraum im Rothen Gut

„Eine schöne Spielerei“, nennt Kellermeister Biedermann die Experimente mit den neuen Sorten. Überhaupt weht mit den beiden jungen Winzern ein frischer Wind im sächsischen Weinbau. Da kommen auch keine Klagen über die Risiken des Wetters (der feuchte Sommer brachte 2014 Fäule). „Das  macht den Weinbau ja so spannend, da wird es nicht langweilig“, sagt der Kellermeister. Der Tatendrang scheint groß, die Lust auf weitere Überraschungen auch, oft fällt das Stichwort „geile Weine“.  Wir sind gespannt auf die nächsten Jahrgänge – und weitere Experimente.

Reben beim Rothen Gut Meissen

Reben beim Rothen Gut Meissen

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