Blog, Interviews, Italien, Schaumwein
Schreibe einen Kommentar

Wein-Gespräch: Ricci Curbastro

Ein „Kraftwerk auf zwei Beinen“ hat Italiens berühmtester Weinführer, der Gambero Rosso, Riccardo Ricci Curbastro genannt. Sein Weingut (27 Hektar) gehört zu den Flaggschiffen der DOC Franciacorta, eine relativ jungen italienische Weinbauregion in der Lombardei. Erst seit den 1960er Jahren werden dort Schaumweine produziert. Die im Stil der Flaschenvergärung hergestellten Spumante sind von hohem Niveau und bescherten der Region einen Boom, Curbastro vornweg. Aber auch die Weiß- und Rotweine der Azienda Agricola Ricci Curbastro haben einen hohen Standard. Der Önologe ist Präsident des Consorzio del Franciacorta und eine beeindruckende Persönlichkeit. Ein sehr angenehmes Treffen unlängst in Berlin.

Warum trinken Sie gerne Wein?
Zuerst einmal, weil ich Italiener bin. Und dann, weil Wein Teil unserer Kultur ist. Ich bin mit Wein aufgewachsen. Natürlich, gerade wenn ich in Deutschland bin, kann ich auch ein schönes Pils genießen. Aber auf der anderen Seite bin ich immer der Wein Trinker.

Was ist Ihr Wein für ein besonderes Ereignis?
Immer ein reifer Wein. Ich bin einer von den Erzeugern, die lange warten, bevor ich meinen Franciacorta serviere. Die Zeit ist nicht nur wichtig für uns. Wir lernen beim Wachsen und Älterwerden immerzu und werden klüger, das ist dasselbe beim Wein. Ich persönlich mag Weine, auch den Franciacorta, 6 bis 7 oder sogar 10 Jahre alt sind. Wir verkaufen einigen Franciacorta in unserer Preisliste, die sind immer über 8 Jahre alt, nicht nur die normalen, die sind 3 bis 4 Jahre alt. Bei uns heißt es, die Neugier ist der Katze Tod,  aber auf der anderen Seite ist es auch das, was uns zu Entdeckern der Welt und der Menschen macht. Und Neugier ist auch der Schlüsselfaktor beim Entdecken des Franciacorta.

Was mögen Sie im Alltag am liebsten?
Das ist eine schwere Frage für einen Erzeuger des Franciacorta, weil wir es gewohnt sind,  Schaumweine zum Lunch zu trinken. Manchmal ist das für den deutschen Konsumenten überraschend und ungewohnt. Aber ich muss sagen, Franciacorta zum Dinner oder Lunch zu trinken ist eine schöne Art, einen Wein mit Komplexität zu trinken. Er ist auch sehr leicht zu verstehen und es gibt viele Möglichkeiten, ihn mit Essen zu kombinieren.

Sie sind ein leidenschaftlicher Botschafter des Franciacorta. Trinken Sie auch andere Weine?
Warum es überhaupt Erzeuger außerhalb von Italien gibt, habe ich nie verstanden (lacht). Natürlich, ich mache Spaß. Ich habe natürlich auch meine Lieblingsweine neben dem Franciacorta. Ich bin ein Bewunderer von Weinen aus dem Burgund, auch ein großer Fan von einigen Weinen aus Oregon. Und wenn man zum Beispiel vom Sauvignon Blanc spricht, würde ich sagen, außer einigen aus Norditalien kommen heute die interessantesten Sachen aus Neuseeland. Hier sieht man wieder, dass die Welt des Weines so groß ist, dass man überall etwas finden kann. Der einzige Weg, das zu genießen, ist der der Neugierde. Entdecken wird ein nie endendes Spiel sein.

Das klingt ja philosophisch. Haben Sie eine Philosophie in Ihrem Weingut?
Ja, wir wollen unsere Weine so originär wie möglich halten Wir wollen in den Grenzen bleiben, dann sind im Glas all die Mineralien, auch die Frische des Klimas unserer Region. Das zweite ist, mein Vater und ich glauben, dass das Land ein Geschenk der vorherigen Generationen ist. Meine Familie besitzt das Land seit Jahrhunderten, das ist eine ziemlich lange Zeit. Aber es ist nichts, das wir irgendwo anders hin mitnehmen können. Daher müssen wir es im besten Zustand bewahren. Wir sind einer der wenigen Höfe, der eine zertifizierte CO₂-Bilanz hat. Wir spritzen nicht viel, wir schneiden das Gras nicht, wir haben im Keller LED-Lampen, wir haben Solarzellen für die Elektrizität und die Flaschen sind leichter als vorher. Man kann all das Gute der  Erde schützen. Und ich denke, Winzer sollten immer diese Dinge bedenken.

Was ist der perfekte Wein?
Ich glaube, der existiert gar nicht. Aber im Alltag gibt es ihn schon. Es ist der Wein, der für dich in dem Moment perfekt ist, für deinen Zweck, für deine Gedanken an dem Tag, für dein Essen, für deine Gesellschaft, eine schöne Dame oder deine Söhne, die mit dir am Tisch sitzen. Aber Perfektion existiert nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.