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Neues vom Breitengrad 51

Der Verein „Breitengrad 51“ – ein Zusammenschluss von sieben Weingütern im saale-Unstrut-Gebiet – präsentierte kürzlich zum zweiten Mal seine Weine in Naumburg. Weil der Weinbeobachter verhindert war, hier der ziemlich euphorische Bericht eines Gastautors.

Da sind sie also wieder. Mit ihrer zweiten Jahrgangsverkostung haben sich die Winzer des Vereins „Breitengrad 51“ eindrucksvoll zurück gemeldet. Die sieben Weingüter, die sich momentan in diesem Zirkel zusammengeschlossen haben, stellten elf Weine vor, die das Siegel „Breitengrad 51“ tragen dürfen. Damit kommt man der derzeit möglichen Maximal-Zahl von 14 Weinen schon sehr nahe. Mehr als 14 sind nicht drin, da jedes Mitglied pro Jahr nur einen weißen und einen roten präsentieren darf. Und da fallen dann auch mal Weine durchs Sieb, die eigentlich alle Qualitätsanforderungen erfüllt haben. So musste sich André Gussek zwischen vier Weinen entscheiden, die bei der Blindprobe für gut befunden worden waren. Auch Jochen Hinderer vom Weingut Born aus Höhnstedt hatte einen Wein mehr ins Ziel gebracht als erlaubt. Sein lapidarer Kommentar: „Da kann ich den Wein halt billiger verkaufen“. Nun ist Hinderer für jeden Spaß zu haben und meint damit natürlich nicht, dass die Breitengradler sich mit ihrer Messlatte, die Weine mit dem „BG 51“-Siegel müssen mindesten 18 Euro kosten, selbst im Wege stehen. Vielmehr gehen die Top-Weine der Güter eben selten kistenweise über den Ladentisch. Doch kommen wir zur Frage, ob es sich überhaupt lohnt, tief in die Tasche zu greifen und sich „BG 51er“ zu leisten. Ein klares: Unbedingt!

Zu den Weinen im Einzelnen: Der Weißburgunder des Landesweingutes aus den Saalhäusern stellt sich als 2013er im Barrique gereift unglaublich dicht, satt, komplex und gleichwohl fruchtig ausladend wie mineralisch prägnant dar. Kann mich, abgesehen von einem 1976er Riesling vom Dechantenberg, nicht an einen Wein des Hauses erinnern, der mich derart beeindruckt, ja begeistert hat. Chapeau!

Reblage am Breitengrad 51Kaum weniger begeisternd die Cuvée des Hauses Born, wo man den Weißburgunder mit Riesling vermählte. Das hatten Borns schon im Vorjahr versucht, da war der Wein aber in der Gärung hängen geblieben, was zu einem wunderschönen edelsüßen Tropfen führte. In diesem Jahr ist es gelungen. Nicht nur einfach so, sondern richtig klasse. Ebenfalls ein weißes Cuvée hat Matthias Hey präsentiert. Seiner Komposition aus Grau- und Weißburgunder hatte er im letzten Jahr mit einem Schuss Riesling zu jenem Hauch Mineralik verholfen, die diesmal fehlt. Das heißt aber nicht, dass das 13er Cuvée schlechter ist. Es ist anders. Das „Plus“ in der Mischung bringt diesmal ein Silvaner aus 60 Jahre alten Stöcken ein. Das macht ihn etwas weicher und fruchtiger. Andre Gussek hat sich für den Grauburgunder als Breitengrad-Wein entschieden. Er ist ein Kraftprotz, der zwischen satten Fruchttönen und Noten von Schokolade changiert und es schafft neben der breiten Brust auch zart-filigrane Nuancen zu bieten, die ihn umso liebenswerter machen. Der ebenfalls die Qualitätsanforderungen erfüllende zum Lagenwein „abgestufte“ Riesling gab sich nicht kampflos geschlagen und brillierte mit satten Grapefruit-Tönen.

Auch das Weingut Frölich-Hake aus Roßbach stellte einen Grauburgunder vor. Hier steht die Frucht im Vordergrund. Ein etwas anderer Typ Grauburgunder, der aber grandios ebenfalls zwischen Kraft und ziselierten Capricen balanciert. Sehr, sehr gelungen. Ein weiterer Sprung nach vorn. Volker Frölich und seine Weine haben von der Mitgliedschaft im Verein unglaublich profitiert.

Frank Böhme aus Gleina und seine Töchter schicken erneut einen Traminer als weißen „BG“ an den Start. Diesmal ohne die ganz große Holzkeule des Vorjahres und das bekommt dem Tropfen vorzüglich. Die ausgeprägten Stärken des satten Traminers werden nicht mehr überlagert, sondern strahlen fast unverstellt aufs Prächtigste.

Die eigentliche Sensation des Abends aber war der Silvaner von René Schwalbe vom Weingut Rollsdorfer Mühle mit dem einzigen weißen 12er. Schwalbe, der sich gern die Attitüde des spaßgetriebenen Garagen-Winzers gibt, liefert hier sein Meisterstück. Auf der Abraumhalde des Stedtener Pastorenstiegs hat er einen konzentrierten Frucht-Mineral-Cocktail wachsen lassen, der der Rebsorte nicht nur alle Ehre macht, sondern in seiner Ausprägung durch ungemein lange Lagerung auf der Feinhefe auch den besten Franken das Wasser reichen kann. Ein Traum!

Bei den roten sind es ausnahmslos Weine der Rebsorte Blauer Zweigelt. Das Erstaunliche an diesen dreien ist, dass zu den Platzhirschen Matthias Hey und André Gussek, die schon in den Vorjahren, und Gussek noch länger, nicht nur die Gebietsspitze bilden, sondern auch darüber hinaus brillieren, einen ebenbürtigen Partner bekommen haben. Borns stellen einen kraftvollen, fruchtigen Vertreter ins Fenster mit sauberem Holzeinsatz, dass es nur noch dem persönlichen Geschmack anheim gestellt wird, wer welchen dieser Super-Roten als besten sieht.

Kleines P.S.: Im Eingangsbereich, quasi auch als vinophiles Entree, präsentierte sich der „Klitzekleine Ring“ von der Mosel. Zwei Güter stellten ihre zwei Ihrer Weine vor, Staffelter Hof aus Kröv und Daniel Vollenweider aus Traben-Trarbach. Vor allem Vollenweider überzeugte. Daneben gab es auch zwei Gemeinschaftsweine, die aus Trauben mehrerer Mitgliedsbetriebe, insgesamt zehn, gekeltert wurden. Auch dies interessante Tropfen, die so einstimmten auf die Breitengradler und ihre traumhaften Weine.

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