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Lohnt sich Lidl?

Die Weihnachtszeit naht, jedes Jahr auch Zeit besonderer Wein-Kampagnen der Supermärkte/Discounter. Lidl ist in diesem Jahr zeitig vorgeprescht und begleitet von einer aufwändigen Werbekampagne. Im Vergleich zur Weihnachtsaktion 2013 diesmal jedoch mit einem klareren Konzept und einem kleinen Paukenschlag.  Das Konzept verrät der Titel des 28-seitigen, ganz gut gemachten Katalogs: „Entdecken Sie die die Vielfalt der französischen Weine“. Womit gleich klar ist, worum es geht.

Auch Chateau d’Yquem im Angebot

Der kleine Paukenschlag: Lidl verkauft auch Chateau d’Yquem (der edelsüße Tropfen gilt als einer der teuersten Weine weltweit) für 349 Euro, sonst eher nicht das Preisniveau bei Lidl. Auch andere renomierte Bordeaux-Güter wie Château Montrose (89,99 Euro, anderswo deutlich teurer) oder Chatau Brainaire-Ducru (47,99 Euro) sind zu haben – wie Chateau d’Yquem allerdings nur im Online-Shop. In die Filialen ist jedoch auch einiges gekommen. Angeblich hat sich Lidl mehr als 500 verschiedene Weine in einigen Millionen Flaschen für die Aktion gesichert, die übrigens europaweit läuft.

Bampfield punktet wieder

Für die Kampagne hat Lidl wieder Richard Bampfield engagiert, den britischer Master of Wine, mit dem die Kette schon seit Jahren zusammenarbeitet.  Bampfield bewertet die Weine nach dem 100-Punkte-Schema und definiert sein System so: 80-84 = gut, solide gemachter Wein, 85-89 = sehr gut, mit besonderen Eigenschaften, 90-94 = außerordentlich, herausragender Charakter, 95-100 Klassiker, großartiger Wein. Experten sind der Meinung, dass Bampfield die von ihm ausgesuchten Weine relativ hoch bewertet. Da viele Weine im Prospekt keine Wertung haben, bedeutet das in letzter Konsequenz wohl, dass die keine 80 Punkte schaffen. Muss nicht viel zu sagen haben, die Wahrheit liegt im Glas.

Vierer-Jury testet

Diesmal testete eine vierköpfige Weinbeobachter-„Jury“ einen Mix aus Weinen ohne Punkte, einem vermeintlich interessanten Mittelfeld und zwei der im Prospekt am höchsten bewerteten (Filial-)Weine (90 Punkte). Einige der vorab ausgewählten Weine waren in Leipziger Filialen allerdings nicht verfügbar oder schon ausverkauft – das nicht unbedingt kundige Personal war sich da nicht sicher. Fazit: Auch wenn Weine von Groß- und Massenerzeugern im Regal stehen, gibt es interessante Weine, sind Schnäppchen drin. Was die Kernfrage betrifft: Lohnt sich Lidl  – bedingt.

Die getesteten Weine mit den Verkostungsnotizen:

Weiber – Edelzwicker 2013 (3,99 €; keine Bampfield-Punkte):  Der klassische weiße Cuvée aus dem Elsaß zum Einstieg ist für den Preis gewiss okay. Die Nase verspricht mehr, als dann im Gaumen ankommt. Zum Essen in Ordnung, mehr nicht. Einfacher Wein, hat seine Gelegenheiten, vielleicht in der Pause beim Rasenmähen

Les Chenes Saint-Véran 2013 (8,99 €; 86 Punkte): Schon eine kleine Überraschung. Der Chardonnay aus dem Burgund kann es mit einigen berühmteren und teureren Pouilly-Fuissé aufnehmen. Im ersten Moment in der Nase wie Kaugummi, dann klassisch buttrig, schöne Säure, schönes Volumen, cremig. Bampfield schmeckt Honig – ja – und Vanille – wir nicht.

Julienas La Croix des Célestins 2013 (5,49 €; keine Punkte):  Nase schwach, Sauerkirschsaft, da fehlt Power, seicht, irgendwie beliebig. Erdbeeren? Eher Kirschen. Es gibt im gleichen Preissegment viele bessere aus dem Beaujolais.

Terroir des Dentelles, Vacqueyras 2013 (6,99 €; 90 Punkte): Die Weine aus dem 1000-Einwohner-Ort an der Rhône haben in den letzten Jahren eine tolle Karriere hingelegt, dieser ist ein schönes Beispiel. Tiefes Rot, Nase nach rohem Fleisch, feine Würze, leichter Pfefferton, schön ausgewogen, Vanille, Pflaume. Solides Preis-Leistung-Verhältnis.

Chateau Rigeaud – Puisseguin St. Emilion 2011 (8,99 Euro; 86 Punkte):  Aus dem Dörfchen in der Nachbarschaft zu Saint-Emilion kommen immer mal nette Tröpfchen, wer kleine Blockbuster mag, wird auch den gut finden: In Nase und Gaumen Trockengewürz, Rosmarin, vor allem Leder. Leicht süßlicher Ton, Merlot sorgt für eine gewisse Geschmeidigkeit, Eiche ist auch da. Robuster als ein schöner Saint-Emilion. Nach einer Weile dominiert reife Pflaume.

Cornas 2012 – Cru de la Vallee du Rhône (15,99 €; 90 Punkte): Nase noch verhalten, das ist der Jugend geschuldet. Ansonsten ein runder, geschliffener Wein mit Struktur und Charisma, fast eine Persönlichkeit. Alle Erwartungen erfüllt, habe aus der nördliche Rhône seit Jahren keine Enttäuschung erlebt.

Andere Discounter ziehen nach

Spannend ist jetzt, wie konkurrierende Discounter auf den Lidl-Vorstoß reagieren und was die so in der Schublade haben. Angeblich planen auch andere Einzelhandelsriesen, das Geschäft mit teureren Tropfen auszubauen, Real zum Beispiel mit Weinen renommierter Häuser wie Antinori, Mondavi oder Torres. Der Discounter Netto lässt sich von Mastersommelier Frank Kämmer beraten. Aldi bedient Weinfreunde traditionell mit einer eigenen Promotion in der Vorweihnachtszeit, wenn auch – wie mit dem 2008er Barolo – nicht immer mit einem großen Wurf. Klar, den Fachhändlern kann die Offensive der Supermärkte nicht gefallen. Andererseits: In Frankreich haben Supermärkte seit Jahren Grand Crus und berühmte Weine im Sortiment. Wenn die Kultur jetzt auch in Deutschland einzieht, ist das zumindest keine schlechte Nachricht.

1 Kommentare

  1. LuMoDiGreve sagt

    Den Geschmack vom Herrn Bampfield möchte ich ja nicht haben! Bei einem Weißwein merkt er nicht mal, daß Säure und Restzucker regelrecht gegeneinander kämpfen. Da kommt natürlich kein Aroma auf!
    Der Wein war sehr hoch bepunktet. Er lohnt sich nicht mal für meine Essigmutter!

    Die nicht von Herrn Bapfield bewerteten Weine sind da oft eher einen Versuch wert! Bei den Sonderserien sind manchmal ganz angenehme zum kleinen Preis dabei.

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