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Im Silvaner-Paradies

Besuch im Silvaner-Land Franken – hat sich wieder einmal gelohnt. Musste vor Jahren nach einer Visite in Iphofen (v.a. bei Johann Ruck und Hans Wirsching) das Prädikat „Weltklasse“ vergeben werden, war auch Randersacker keine Enttäuschung. Wobei, schöne Franken-Weine nur auf Silvaner zu reduzieren, ist ein Fehler. Es gab auch bei anderen Rebsorten durchaus Überraschungen.

Mit Armin Störrlein im Keller

Mit Armin Störrlein im Keller

Erste Station: Das Weingut J. Störrlein & Krenig. Armin Störrlein ist Gründungsmitglied des VdP, bewirtschaftet 12 Hektar zumeist steile Lagen. Zuerst war freilich die Frage zu klären, was es mit dem Zusatz Krenig auf sich hat, in  früheren Jahrgängen steht nur J.Störrlein auf dem Etikett. Martin Kernig ist der Schwiegersohn und für die Arbeit im Weinberg verantwortlich. „Er hat sich in den Betrieb eingebracht, warum soll sein Name dann nicht mit erwähnt werden?“, fragt Armin Störrlein. Die Antwort ist ja klar. Die Silvaner zeigen sich in der erwartet guten Form. Der Gutswein Silvaner vom Muschelkalk mit Apfel-Aromen, der  von der Lage Sonnenstuhl wirkte, obwohl auch von 2013, erwachsener, reifer; schließlich der von der Parade-Lage Pfülben mit ausgeprägter Mineralität und einer eleganten Säure. Jeder war auf seine Art schön, die individuelle Vorliebe entscheidet über den Favoriten. Persönlich habe ich den Pfülben favorisiert. Ein toller Tropfen ist der 2012er Marsberg Alte Reben, eine gelungene Liaison von Frucht und Mineralität. Eine Etage höher dann der TRIAS Sonnenstuhl, reif, fertig, komplex. Der ist eigentlich ein Großes Gewächs, was beim 2011er Silvaner vom Sonnenstuhl auch auf dem Etikett steht. Reif, fast buttrig, erinnert an einen feinen, freilich doppelt oder dreifach so teuren Montrachet. Am liebsten mag Armin Störrlein den Silvaner zum Spargel, dazu dann, man staune, fränkische Bratwürste. „Da vergessen sie die Welt“.
Diverse Urkunden verraten, dass Störrlein & Krenig mehr kann als Silvaner. Der Sonnenstuhl Weißburgunder Großes Gewächs taugt für große Momente im Leben und ist lebendiger Beweis, dass sich Burgunder-Reben in Mainfranken sauwohl fühlen. Dass bei einem Rotwein-Pionier wie Störrlein ein Roter Pflicht ist, versteht sich. Alle Erwartungen werden erfüllt. Der 2011er Spätburgunder TRIAS präsentiert sich schön, feingliedrig, ein feiner Charakter. „Ich sehe mich wie ein Koch, der für 20 Leute Mittagessen macht und nicht 3000 Schnitzel brät“, beschreibt Armin Störrlein sein Tun bildlich, und ja, in der Küche isst man gern.  

Verkostung im Weingut Trockene Schmitts

Verkostung im Weingut Trockene Schmitts

Zweiter Höhepunkt: Weingut Trockene Schmitts. Der Name ist Programm, kaum ein Wein im Sortiment hat mehr als ein Gramm Restzucker. „Unsere Weine sind komplett durchgegoren. Es gibt keine Kaltvergärung, keine Aromahefen, keine Anreicherung, wir machen nur naturreine Weine“, erläutert Bruno Schmitt, der das 16-Hektar-Weingut zusammen mit seinem Bruder Paul führt. Diese Konsequenz mag nicht jedermanns Sache sein, die Zahl der Freunde von extrem trockenen Weinen ist jedoch groß, zu ihnen zählt auch der Weinbeobachter. „Früher wurden wir auch Saure Schmitts genannt“, erzählt der Chef, „Trockene klingt aber besser“. 2002 haben die Brüder Paul  (Haus der trockenen Weine) und Bruno Schmitt (Weingut Robert Schmitt, Brunos Onkel) ihre Betriebe zusammengelegt. Tatsächlich ist jede Assoziation zu „saurem“ Wein Blödsinn. Die Silvaner sind ein Beispiel von Klarheit und Charakter. Der Einstiegswein ist der von der Großlage Ewig Leben, solide, nett; der vom Pfülben im Vergleich geradezu üppig, mit großer Fülle; die trockene Spätlese vom Sonnenstuhl noch eine Steigerung. Wie bei Störrlein sind auch hier die Silvaner Alten Reben – auf dem Etikett heißt es Sylvaner – vom Sonnenstuhl von besonderem Charakter. Der 2012er (13er noch nicht abgefüllt) wirkte opulent, die leichte Röstigkeit kommt vom Ausbau im 1200-Liter-Holzfass.
Eine Rarität ist der 2012er Blaue Silvaner. Der Blaue ist eine Mutation des Grünen Silvanas und recht selten angebaut. Der von den Trockenen Schmitts hat 0,3 Gramm Restzucker pro Liter, weniger geht kaum. Aber nichts da mit sauer oder neutral: Der „Blaue“ ist puristisch, filigran, ein Wein von großer Klarheit. Auch bei den Trockenen Schmitts gibt’s mehr als spannende Silvaner. Aufgefallen ist der 2013er Müller-Thurgau, würzig, schlank, die Rebsorte ganz unverfälscht. Weitere Entdeckung: Die trockene Spätlese vom Gewürztraminer 2013, würzig, recht schlank, für Bruno Schmitt „ein Spätentwickler, ein echter Langstreckenläufer“. Die 2012er Rieslaner Auslese beweist, dass die Trockenen Schmitts auch Weine mit Restsüße können, schöner Tropfen. Rieslaner, auch eine Passion der Schmitts, wird auf dieser Seite noch mal ein eigenes Kapitel.

Weingut Berthold Schmachtenberger

Weingut Berthold Schmachtenberger

Sonst noch? Alle getesteten Weine können hier nicht erwähnt werden. Dies aber unbedingt noch: Berthold Schmachtenberger, aufstrebender 8-Hektar Betrieb und Zweitplatzierter bei der Wahl zum Jungwinzer des Jahrs 2013 in Deutschland, mit soliden bis schönen Silvanern. Der 2013er Quaderkalk von der Großlage Ewig Leben ist mit seiner  schönen Mineralität aufgefallen, der vom Sonnenstuhl Alten Reben bereitet auch  viel Genuss. Der Weißburgunder vom Sonnenstuhl hat gefallen, gilt auch  für den Rosé, leicht trinkbar, passt gut auf die sommerliche Terrasse. Sehenswert ist die moderne, 2012 eröffnete Vinothek, kürzlich erst für den Architekturpreis Artouro nominiert.

Die Silvaner von Schmitt’s Kinder, Familien-Weingut in zehnter Generation (14 Hektar) und eine Institution in Randersacker, bleiben als solide in Erinnerung. Eine Spezialität des Betriebs sind die im Barrique ausgebauten Weißburgunder, die viele Freunde haben. Tue mich mit im kleinen Eichenholzfass gereiften Weißweinen jedoch generell schwer, Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch bei Schmitt’s Kinder eine Überraschung: die Roten. Eine sehr schöne Domina von 2009, prägnante Aromen nach Schwarzkirschen, sowie das 2008er Cuvée CR (Regent+Spätburgunder), das viel Spaß macht.

Fazit des Kurztripps: Silvaner aus Franken sind eine Bank, viele sehr gut, manche Weltklasse. Aber wer dort ist: Unbedingt auch anderes probieren, lohnt sich.

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