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Entdeckungen im Mercure

Es ist Herbst – Zeit, mal wieder in einem Mercure-Hotel vorbeizuschauen. Die Hotelkette legt halbjährlich eine neue Karte „Grand Vins Mercure“ auf, eine stets kleine, aber sehr feine Auswahl in, man muss es so sagen, moderater Kalkulation. Der Clou: Die Hotelkette verkauft alle Weine von der Grand Vins-Karte auch außer Haus und die zum gleichen Preis wie ab Hof. Da sind Volltreffer möglich, bei der Visite vor einem Jahr zum Beispiel die großartige Riesling Spätlese 2008 vom Mosel-Weingut Heinz Schmitt.

karteWas hat die Herbst-Karte 2014 zu bieten? Zunächst eine Überraschung: Zum ersten Mal ausschließlich deutsche Weine, der obligatorische Franzose fehlt diesmal. Die Auswahl umfasst sechs Weißweine, einen Rosé, sieben Rote und einen Süßwein von 15 verschiedenen Weingütern, darunter neun VdP-Güter. Wohl als Referenz an die junge Generation ist die Rheingauer Riesling Auslese von Balthaser Ress gedacht, abgefüllt in einem 0,1 Liter Glasröhrchen und vermarktet unter „Wine in Tubes“. Für Traditionalisten gewöhnungsbedürftig, der Wein freilich ist sehr in Ordnung.

Entdeckung des Tages ist der Weißwein Hullabaloo vom Pfälzer Edelwinzer Markus Schneider. Angesichts der beteiligten Sorten Sauvignon Blanc (74 Prozent), Viognier (17) und Chardonnay (9) klingt der Cuvée tatsächlich ein bisschen nach Hullabaloo, ist aber ein echt schöner Tropfen. Die exotischen Töne wie Maracuja, Mango etc. kommen vom Sauvignon, die Mineralik vielleicht vom Viognier, die knackige Frische vom Chardonnay.  Großes Vergnügen, die 15,90 Euro im Verkauf sind überaus korrekt. Hullabaloo ist übrigens der Name einer englischen Band, die Markus Schneider wohl inspiriert hat. Auch das soll erwähnt werden: Der gesamten Erlös mit dem Verkauf des Hullabaloo geht an den Mannheimer Verein Kinderhospiz Sterntaler.

Entdeckung zwei: Der Pinot Noir „Dorn Dürkheim“ vom Weingut Gutzler von 2011. Der ist 26 Monate im Barrique gereift, hat weniger als ein Gramm Restzucker und alles, was einen großen Spätburgunder auszeichnet. Hält mit feinen Burgundern mehr als nur mit, ist aber mit 24,90 Euro im Verkauf deutlich günstiger.

Sonst noch: Klassiker wie der Silvaner von Hans Wirsching in Franken oder ein Weißburgunder aus Baden (Martin Waßmer) zieren die Karte, damit macht niemand etwas falsch, die Weine gibt’s tatsächlich zum Ab-Hof-Preis. In den Hotels in Mitteldeutschland und Franken ist auch der Grauburgunder vom Weingut Zahn (Saale-Unstrut) als lokale Komponente zu haben, lohnt sich auch. Bei den Roten fällt die Domina vom fränkischen Starwinzer Horst Sauer auf. Wer mit der Rebsorte noch nicht viel anfangen kann – unbedingt probieren. Gilt erst recht für die Eigenmarke “2011 Mercure Cuvée Edition M4″, kreiert vom Pfälzer Weingut Knipser eigens für die Hotelkette und auch nur dort zu haben. Der M4-Cuvée klingt spannend, fast abenteuerlich: Ein Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot steuert 60 Prozent bei, 20 Prozent kommen von der Paarung Cabernet Sauvignon/Cabernet Franc und zehn Prozent sind jeweils Cabernet Cubin und Dornfelder. Ein Individualist mit viel Charisma, kostet 16,90 Euro, mehr als akzeptabel. Zum Finale schließlich ein Klassiker mit einem ganz berühmten Namen: Wehlener Sonnenuhr, im konkreten Fall eine 2008er Riesling Spätlese der Weingüter Geheimrat J. Wegeler aus Bernkastel/Mosel. Was soll man sagen – Spätlese mal nicht trocken sondern ganz klassisch, wie aus dem Bilderbuch.

Fazit: Ein Abstecher ins Mercure hat sich wieder gelohnt. Kein Wunder also, dass bei der Hotelkette pro Jahr mehr als 100 000 Flaschen über die Rezeption verkauft werden.

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