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Neuseeland Wein – nicht nur Sauvignon

NeuseelandDie unlängst getesteten Neuseeland-Sauvignons haben Appetit auf mehr gemacht. Ein Seminar mit Caro Maurer, Master of Wine sowie ausgewiesene Neuseeland-Liebhaberin und -Expertin, war die perfekte Gelegenheit, mehr über Weinbau und Weine am anderen Ende der Welt zu erfahren. Es hat sich gelohnt.

Wenn von Wein aus Neuseeland die Rede ist, ist in der Regel Sauvignon Blanc mit intensiver Aromatik gemeint, die es nirgendwo anders auf der (Wein-)Welt gibt. Diese Einzigartigkeit hat die Neuseeland-Weine berühmt gemacht, mit dem legendären Cloudy Bay begann ein kleiner Siegeszug. Also Neuseeland = Sauvignon?  Richtig und auch wieder nicht. Klar, Sauvignon dominiert den Weinbau, macht 69 Prozent der Rebfläche in Neuseeland aus, das kleine Weinland ist sogar das weltweit zweitgrößte Anbaugebiet für Sauvignon Blanc. Aber natürlich gibt’s auch andere Sorten, beim Seminar wurden vier schöne Pinot Noirs vorgestellt. Dazu schwärmt Caro Maurer von Rotweinen aus Hawke´s Bay, von Rieslingen aus der kleinen Region Nelson (870 ha) oder aus Waipara, lobt Chardonnays aus Gisborne,  Pinot Noir aus Martinborough und sieht generell den Gewürztraminer auf der Insel schwer im Trend. Also: Sauvignon ist dominant, aber nicht alles.

In den Regalen der Händler steht vor allem (meist fast ausnahmslos) Sauvignon Blanc aus der Region Marlborough. Also Neuseeland = Marlborough? Richtig und auch wieder nicht. Marlborough hat Neuseeland in der Weinwelt bekannt gemacht, ist das größte und wichtigste Gebiet. Doch daneben haben sich weitere Regionen etabliert, die, das war eine Entdeckung des Nachmittags, eine eigene Stilistik haben, selbst beim allgegenwärtigen Sauvignon.  Also: Marlborough ist das größte Gebiet, aber es gibt noch mehr.

Noch ein paar interessante Fakten:
– 85 Prozent der Weine haben Drehverschluss
– die meisten Weinlagen liegen maximal 20 Kilometer vom Meer entfernt
– irres Wachstum: 1990 gab es auf 4880 Hektar Weinbau (112 Güter), 2013 waren es 33600 Hektar (670 Güter)
– in den letzten 5 Jahren hat sich der Export verdoppelt
– über 70 Prozent des Rebbestands sind jünger als 10 Jahre, selbstbewusste Schlussfolgerung der Neuseeländer: Das Beste kommt noch

Man kann im Boom der Neuseeland-Weine aber auch Probleme sehen. Die enorme Vergrößerung der Anbaufläche führt zu einer stark gestiegenen Weinmenge, was, logisch, starken Preisdruck zur Folge hat. Aber:  Neuseeland will nicht in die Discounter, die Weine sollen ins mittlere und höhere Preissegment. In den letzten Jahren gab es allerdings dann doch Sauvignon Blanc aus Marlborough (Montana) für unter 5 Euro, was eigentlich nicht ins Konzept passt und noch die Ausnahme ist. Wenn von Preisen die Rede ist: Die passablen bis sehr guten Pinot Noirs kosten um die 20 Euro und mehr, die haben es in der Konkurrenz zu den hier populären Italienern, Franzosen und Spaniern da nicht leicht.

Anderes Problem: Viele der sicher spannenden Weine, vor allem aus den kleineren Regionen und von kleineren Gütern, sind in Europa gar nicht zu haben. Man muss also hin. Leider ist Neuseeland das von Deutschland aus am weitesten entfernteste Reiseziel, nicht unter 20 Stunden, oder sind es 30?, Flugzeit zu erreichen. Charmanter Trost von Caro Maurer: „An Flughafen-Bars gibt’s schöne Sauvignons.“

Neuseeland-KarteNoch kurz zu den vorgestellten Weinen. Von vier Sauvignons kamen zwei aus Marlborough (Brancott und Highfield), einer aus Hawke’s Bay (Elephant Hill) und einer aus Central Otago (Amisfield). Letzterer überstrahlte alles, hatte neben der klassischen Aromatik mehr Köper, mehr Substanz und mehr Struktur als die anderen. Am Brancott schieden sich die Geister. Zu primitiv und anbiedernd fanden ihn die einen, ein unkomplizierter, bezahlbarer (7 Euro) Neuseeland-Einstiegswein meinten die anderen. Schließe mich der zweiten Meinung an. Elephant Hill gehört einem Deutschen, Roger Weiß. Ist das der Grund, warum dieser Sauvignon so ganz aus der Art geschlagen ist (cremig, nicht ganz so aromatisch und ausdrucksstark) oder liegt es an der Region?
Auch bei den vier Pinot Noirs vier unterschiedliche Stile. Der süffige, karamellige vom Familiengut Saint Clair in Marlborough ist wohl eher fürs Massenpublikum gedacht. Da war der Kong Tohu, auch Marlborough, schon spannender. Das Gut ist das einzige ins Neuseeland, das komplett den Maoris gehört und nur Maoris dürfen dort arbeiten. Im europäischen PN-Stil der Quartz Reef im Gebiet Central Otago, kein Wunder: Besitzer Rudi Bauer ist Österreicher und betreibt das Gut biodynamisch. Schließlich Marion’s Vineyard von Schubert Wines (Wairarapa), wie der Name ahnen lässt, ein deutscher Besitzer. Tatsächlich ist der Badener Kai Schubert vor über 20 Jahren nach Neuseeland ausgewandert, um sich seinen Traum von einem perfekten Pinot Noir zu erfüllen.  Perfekt ist ein großes Wort, aber sehr schön ist der Wein, elegant, charmante Frucht. Auf Neuseeland wäre in einer Blindprobe jedoch wohl niemand gekommen.

Neuseeland Foto

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