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Israel – nicht nur Religion und Politik, auch tolle Weine!

Chateau Golan - Barriquekeller

Chateau Golan – Barriquekeller

Wenn in diesen (Oster-)Tagen wieder so viel von Israel, von Galiläa und Judäa (Religion) oder den Golanhöhen und Sinai (Politik) die Rede ist, darf auch gern mal daran erinnert werden, dass diese Regionen zu den Gebieten auf der Welt gehören, in denen am längsten Weinbau betrieben wird. In biblischen Zeiten stand der in voller Blüte, auch unter muslimischer Herrschaft kam die Weinproduktion nicht zum Erliegen. Im heutigen Israel wird auf einer Rebfläche von rund 5500 Hektar Wein angebaut, es soll knapp um die 300 Weingüter geben, manche erzeugen gerade mal 100 Flaschen im Jahr. Die Entwicklung ist rasant, es gibt beachtliche, ja richtig tolle Weine, hierzulande jedoch stark unterschätzt und wenig bekannt. Die Menge insgesamt ist gering, allein der kalifornische Massenerzeuger Gallo produziert mehr Wein als ganz Israel. Und leider exportieren nur wenige Betreibe, und diese eher nach Nordamerika. Zweimal gab es bisher Gelegenheit, in Israel Weingüter und Weine vor Ort kennenzulernen. Und das hat sich gelohnt. Die interessantesten  Eindrücke:

Carmel Winery

Carmel Winery

Die Carmel-Winery in Zichron Ja’akow ist Platzhirsch, ältester und größer Erzeuger im Lande. Historisch eine große Nummer, gegründet 1882 von Baron Edmond James de Rothschild (einst auch Mitbesitzer von Chateau Lafite-Rothschild), der sich stark für den Zionismus engagierte. Wein von satten 1500 Hektar Rebfläche (von rund 1000 Familien bewirtschaftet) verarbeitet Carmel heute. Cabernet Sauvignon, Merlot, Sauvignon Blanc und Chardonnay sind die tragenden Sorten. Alles also noch immer stark französisch geprägt, im Stil aber eher an die Neue Welt orientiert. Schwerpunkt der Produktion sind koschere Massenweine für den israelischen Markt. Die sind langweilig, einige Top-Weine aber verdienen Beachtung. Der „Emerald Riesling“, der „Cabernet Private Collection“ sowie der im Barrique ausgebaute „Carmel Syrah“ haben am besten gefallen. Die Probierstube und das Restaurant sind auch schön. Was ist ein typisch israelischer Wein? Dazu Philip Lichtenstein, Marketing-Chef von Carmel: „Weiß ein Colombard, frisch, fruchtig mit präsenter Säure; Rot ein Cabernet/Syrah-Cuveé, würzig und scharf.“

Chef Mosche Chaviv

Chef Mosche Chaviv

Dalton Winery ist gerade mal 14 Jahre alt, der Wein gilt als einer der besten Boutique-Weine Israels. Die Reben werden von 360 Farmern (360 Hektar Rebfläche) gekauft, deren Bezahlung richtet sich nach der Qualität der abgelieferten  Trauben, das Labor entscheidet. 750 00 Flaschen werden jährlich erzeugt, 30 Prozent gehen in den Export. Die Weine sind ganz im Stil der Neuen Welt, das Niveau ist durchgängig gut, manches war sehr gut. Die Highlights: Der Sauvignon Blanc Fumé, der Merlot sowie ein 18 Monate im Barrique gereifter Shiraz.  „Israel Sorte der Zukunft ist der Shiraz“, glaubt denn auch Dalton-Direktor Mosche Chaviv. Dalton erzeugt koschere Weine – „die religiöse Beobachtung ist kein Problem“, sagt Chaviv.

Chateau Golan

Chateau GolanChef Shuki ShaiChef Shuki Shai

Chateau Golan ganz oben auf den Golanhöhen und direkt an der Stacheldraht-Grenze des politisch verminten Dreiecks Israel-Syrien-Jordanien fährt eine andere Philosophie. Dort wird kein koscherer Wein gemacht, dafür ist alles ganz hipp. Eine hypermoderne Winery mit Kunstsammlung und einem Barriquekeller im Stil eines griechischen Tempels, Luxus-Bedingungen. Die Stichworte: 30 Hektar Rebfläche, ausschließlich Lese per Hand, ein extra Fasstyp für jede Rebsorte, keine Eichen-Chips,  nur rund 80 000 Flaschen jährlich, Kunstwerke auf der Verpackung, hochmoderne Kellertechnik. Kein Wunder, Chateau Golan wurde am 21. Juni 1999 gegründet. Shuki Shai, einer der drei Besitzer: „Wir machen keine Massenproduktion, nur Qualität.“ Diverse Botschafter und Wirtschaftsbosse seien häufig Gast. Warum keine koscheren Weine, die doch für den heimischen Markt so wichtig sind? „Wir arbeiten international, 75 Prozent gehen in den Export.“ Die Weine: Hervorragend – wer den Neue-Welt-Stil mag. Der Sauvignon Blanc (in speziellen Eichen-Fässern gereift) nimmt es mit Top-Neuseeländern locker auf, der Shiraz war der beste von 17 in Israel getesteten, der sehr konzentrierte Cabernet Sauvignon, das Flaggschiff, leider noch sehr verschlossen, also viel zu früh getrunken. Schnäppchen sind das alles aber nicht, die Preise liegen zwischen 20 und 80 Euro. Was passiert mit Chateau Golan, wenn sich der politische Wind dreht und der Golan wieder an Syrien geht? Shuki Shai: „Dann haben wir Pech gehabt.“ Auch wenn es politisch nicht ganz korrekt sein mag: Ein Weinfreund kann sich das nicht wünschen.

Golan Winery - Rebflächen

Golan Winery – Rebflächen

Golan Winery in Katzrin (280 Hektar) liegt – wie der Name so schön sagt – auch auf dem Golan, die Reben wachsen auf 400 bis 1200 m Höhe. Vermarktet werden die Weine unter verschiedenen Labels, neben „Golan Wine“ und „Gamala“ auch „Yarden“, der als einer von wenigen Weinen aus Israel auch in Deutschland zu haben ist. Das Niveau ist unterschiedlich. Neben einigen Weinen der Kategorie maximal Mittelmaß (Gewürztraminer, Muscat) sind der „Yarden Chadonnay“ (buttrig, knackig, intensiv, lässt viele Chablis alt aussehen) und der Carbernet Sauvignon (viel Charakter, Kakao, lila Kirschen) sehr positiv aufgefallen.

Weiter bemerkenswert:

  • Absolut überzeugt haben bei allen Israel-Aufenthalten die Weine von Jonathan Tishbi, der Cabernet Sauvignon war stets großartig. Leider war beim geplanten Besuch der Winery in Zichron Ja’akow gerade Sabbat – also geschlossen…
  • In keinem Fall beeindruckend waren die (wenigen) probierten Weine aus den Palästinensergebieten.
  • Eine Offenbarung und einer der zehn besten überhaupt je getrunkenen Weine war der „Yatir Forest“ aus dem Kibbuz Yatir im judäischen Bergland. „Forest“ ist das Flaggschiff der Winery, welcher Wein von welcher Lage  so vermarktet wird, ist von Jahr zu Jahr verschieden, es können auch Cuvées sein. Beim getrunkenen 2002er war es ausschließlich Cabernet Sauvignon, 18 Monate lang in unterschiedlich alten Barriques gereift. Ein in jeder Hinsicht großartiger Wein, jeder Cent der 40 Euro war gut angelegt.
  • Es ist gesichert, dass die heute in Israel wachsenden Rebsorten vor 2000 Jahren noch nicht existierten. Der biblische Wein wurde aus wilden Reben gekeltert, diese Sorten sind nicht mehr erhalten.  Niemand weiß, wie die Weine damals geschmeckt haben. Gewiss nicht so, wie  der an Touristen verkaufte Kanaa-Hochzeitswein.
  • Für koschere Weine gelten viele Vorschriften, unter anderem:  Die Trauben werden erst ab dem vierten Jahr geerntet, alle sieben Jahre bleibt die Rebfläche brach, zehn Prozent werden nicht geerntet, nur gläubige Juden dürfen im Weinberg arbeiten, die Erntegeräte werden unter Aufsicht eines Rabbiners gesäubert, ein Teil des Weines muss verschenkt werden usw.

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