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2012 – schwieriges, spannendes Weinjahr. Saale-Unstrut

Saale-Unstrut-Wein

Zu früh gefreut? Die traditionelle Große Gemeinsame Jungweinprobe der Winzer der von Saale-Unstrut und Sachsen – 51 Weingüter stellten über 180 Weine und Sekte an – ließ die aufgekommene Euphorie über den Jahrgang 2012 merklich abkühlen. Entdeckungen gab es freilich dennoch einige. Weil der Weinbeobachter verhindert war, hier der Bericht eines Gastautors zu den Saale-Unstrut-Weinen.

Ein Trend war schnell augenfällig. Die Unkenrufe vom Super-Weinjahr 2012 – sie kamen wohl zu früh!  Nicht, dass 2012 ein schlechter Jahrgang war, aber man muss wohl sehr differenziert auf die Weine schauen. Beim Riesling wurde das „Dilemma“ der 12er am deutlichsten. Die als Nachweis eines Superjahrgangs gepriesenen ungewöhnlich hohen Zuckerwerte oder Oechslegrade sind eben nicht alles. Rieslinge, die durchgegoren und mit wenig oder gar keinem Restzucker ausgebaut wurden, fehlte es schlicht an Körper.

Den Weinen mangelte es im Vorjahr ob der langen Trockenheit an Extrakt. Und die Bedeutung dieses Kriteriums hat sich selten so ausgewirkt, wie in diesem Jahr. Trotzdem bereiten die meisten Weine durchaus Spaß. Die Freunde der Aprikosen-Bomben werden in diesem Jahr kaum bedient. Paradebeispiele sind die VdP-Güter des Gebietes. Pawis und Lützkendorf stellen durchweg Weine mit präsentem Restzucker vor. Das heißt nicht zwingend süße Weine, da sie mit kräftiger Säure abgepuffert werden. Aber über diesen Weg, nur sehr reifes, durchgereiftes Lesegut zu ernten, bringen sie eben jene Fülle in den Wein, die  man weithin gern als „Mund voll Wein“ bezeichnet.

Die 25 Betriebe von Saale-Unstrut stellen sich sehr unterschiedlich auch in ihrer Präsenz in Dresden vor. Dr. Hage schickte mit elf Tropfen die meisten Weine an den Start, ist somit Massen-Primus. Sein künftiger Kellermeister, Sven Lützkendor konnte da schon mal im Vergleich schauen, wo noch Luft nach oben ist. Und da ist bei manchem Wein wenig Platz. Andere Betriebe schickten nur einen Wein ins Rennen. Zeitz und Höhnstedt fehlten komplett. Gussek, Hey aber auch Frölich-Hake, Klaus Böhme oder Zahn und das Thüringer Weingut Bad Sulza wussten über die bereits genannten hinaus ebenso mit mehreren Weinen zu gefallen, wie Winzervereinigung und Landesweingut. Thürkind, Goldschmidt und Seeliger sind da ebenso zu nennen, wie der mit wenigen Ausnahmen aus dem geringen Ertrag erstaunliche Tropfen anstellende Prinz zur Lippe mit seinem Weinhaus zu Weimar. Auch Wolfram Proppe bewies seine individuelle Klasse. Von den Einzelstartern hatten Weinhof Winter, Weingarten Längricht oder die Winzerei Lüttmer vielleicht sogar zu vorsichtig gewählt, weil sicher noch mehr in ihren Kellern ruht, was vorzeigbar wäre. Bei Frank Böhme keine Frage, der auch nur einen Tropfen schickte.

Generell lässt sich feststellen, dass Weine des 12er Jahrgangs der Entdeckung wert sind. Allerdings sollte man sich darüber klar sein, dass es keine ganz „normalen“ Saale-Unstrut-Weine sind. Und das ist ja auch wieder irgendwie schön, Neues im Bekannten zu entdecken. Die noch laufenden Jungeweinwochen bieten dafür reichlich Raum. Neben den bekannten Rebsorten sei in diesem Jahr besonders ein Abstecher zu Scheurebe, Sauvignon Blanc oder Muskateller empfohlen. Und die roten Tropfen des Jahrgangs 2011 deuten gerade einmal an, was sie in vielleicht fünf Jahren oder noch später an Freude bereiten können. Die Zweigelt von Hey oder Gussek sind da als Speerspitze dessen, was in Dresden präsentiert wurde, ein würdiges Aushängesschild.

ba

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