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Betr.: Supermarkt-Weine

Als hätte das ZDF beim Weinbeobachter recherchiert. Kurz nach dem Erscheinen des letzten Newsletters (ein Aldi-Wein war Thema) lief im ZDF eine interessante Sendung („Die Weinprobe“) zum Thema Supermarkt-Weine. Man ging den Fragen nach: Wie gut ist günstiger Wein? Und: Wie geht günstig?

Die interessanten Recherchen:

In Spanien: Bei den Erzeugern eines Aldi-Reservas für 3,99 Euro (von der gigantischen Genossenschaft Bodega San Valero) fragte man, wie es möglich ist, zu diesem Preis einen solchen Wein herzustellen. Die Lösung: Industrialisierung. 60 Leute produzieren 20 Millionen Flaschen pro Jahr. Die Gehälter seien sehr niedrig, sagte der Geschäftsführer. Zu erfahren war auch, dass in Spanien Weingesetze gelockert wurden, um Weine billiger produzieren zu können. Im Labortest gab es Zweifel, ob der Reserva tatsächlich die vorgeschriebenen fünf Jahre Reifezeit (davon 3 Jahre im Fass) hinter sich hat.

In Deutschland: Ludwig Wengenmayer kommt zu Wort, der mal Wein-Einkäufer bei einer Supermarktkette war. Preise drücken sei die Hauptaufgabe gewesen, erzählt er, Aldi gebe den Takt vor. Die größte deutsche Weinfabrik – die Peter Mertes KG – beliefert alle Supermarktketten und Discounter, mitunter gelangt der gleiche Wein mit unterschiedlichen Etiketten an verschiedene Abnehmer. Mertes-Geschäftsführer Michael Willkomm sagt, wie billig geht: In dem man große Mengen produziert und stark rationalisiert. Industrialisierung heißt auch hier das Zauberwort.

In Kalifornien: Beim auch bei uns stark vertretenen Produzenten Gallo, wo man fragen wollte, wie man immer gleich schmeckenden Wein herstellen kann, erhielt das ZDF-Team keinen Zutritt. Dann wurde die Firma ConeTech vorgstelllt, die für verschiedene Winerys arbeitet. Wein-Designer nennen die sich, dort wird Wein in seine Einzelteile zerlegt und neu zusammengeführt. So können ungenießbare Weine bekömmlich gemacht werden. 3 bis 4 Cent pro Liter kostet das Verfahren, das nicht nur die ZDF-Reporterin „ein bisschen an Frankenstein“ erinnert.

Das Schlusswort hatte Weinhändler Martin Kassler. Der meinte, dass ein guter, handgemachter Wein nicht unter 7 Euro zu haben ist (nach meinen Erfahrungen würde ich 5 Euro sagen). Kassler beklagte, dass die Kultur verloren gegangen sei und Wein „nur noch ein alkoholhaltiges Wirkungsgetränk ist, dass in der Freizeit gesoffen wird.“ Harte Worte.

Um es klar zu sagen: Weine im Supermarkt  oder beim Discounter müssen nicht per se minderwertig sein. Manche Märkte haben ein sehr gutes Weinangebot, Globus zum Beispiel.

Billige Weine müssen auch nicht unbedingt schlecht schmecken. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, warum sie so günstig sind. Oft sind sie Ergebnis von Manipulationen, legalen Manipulationen. Manche Weine sind freilich auch ungenießbar.

Es wird weiter beobachtet!

Update: Auch andere Blogger beschäftigt das Thema. Wie auch hier nachzulesen ist: Wein-Knueller.de

3 Kommentare

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  2. Ernst Petry sagt

    Liebes Weinbeobachter-Team!
    Für mich wird es immer sehr befremdlich wenn nicht gar unheimlich, wenn Weine angepriesen werden, die nach Brombeere, Johannisbeere, Nelken, Zimt, Kaffee, ein Hauch grüner Paprika (…darf es nicht auch ein Hauch gelber Paprika sein?…), Ananas, Erdbeere oder was weiss ich noch schmecken. Dazu kommt noch: „Im Abgang“ merkt man, dass er in französicher und/oder amerikanischer Eiche gelagert wurde.
    Der Charakterisierung eines Weines scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Ich trinke gerne mal einen guten Tropfen, was mir schmeckt, entscheide immer noch ich selbst. So habe ich beim Italiener auch schon mehrfach Rotweine, ab 80 € aufwärts (!), zurückgehen lassen, die mir einfach nicht mundeten. Man schaute mich wie einen Ausserirdischen an: Klar, ein Gast, der mal wieder keine Ahnung hat… Mir kommt die ganze „Weingeschichte“ manchmal so vor wie „Des Kaisers neue Kleider“: Keiner traut sich, sein Empfinden klar und konsequent zum Ausdruck zu bringen. Man will ja schliesslich zu den „Weinkennern“ gehören… Mich würde mal Ihre Meinung dazu interessieren. Viel Grüsse, ERNST PETRY.

    • Lieber Herr Petry, danke für das Feedback, Sie haben ja nicht ganz unrecht. Ich habe auch schon etliche Kaiser ohne Kleider erlebt, was manchmal vergnüglich sein kann. Mit der Weinsprache ist nun aber auch so, dass es mitunter einfach gewisse Assoziationen braucht, ums sich über einen Wein zu verständigen oder ihn zu definieren. „Schmeckt“ reicht manchmal, aber gewiss nicht immer aus. Und Aromen von Kaffee oder Tabak oder Johannisbeeren oder Pfirsich hat doch jeder mit halbwegs intakten Geschmacksnerven schon mal im Wein entdeckt. So was zu entdecken macht ja auch Spaß. Aber es stimmt, manche Beschreibungen sind nichts sagend und mitunter geradezu absurd. Die Entdeckung von Aromen sind auch kein Dogma. Festzustellen, ob ein Wein in französischer oder amerikanischer Eiche gereift ist, ist freilich ein schwerer (oder genialer?) Fall von Anmaßung, weiß nicht, ob das wirklich jemand kann. Ihr Hinweis auf einen nicht gelungen Wein der Kategorie 80-Euro-Plus gefällt mir, das sollte öfter passieren. Hatte selbst mal einen Tignanello, der eine pure Enttäuschung war. Weinkenner ist ohnehin ein großes Wort, bin gar nicht sicher, ob man Wein überhaupt kennen kann. Beobachten gefällt mir da besser. Viele Grüße!

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